7 Tipps zum Homeschooling und Unschooling

Homeschooling in Deutschland. Jahrzehnte war das ein Ding der Unmöglichkeit und nun plötzlich, ja quasi über Nacht, wurde es zur (vorübergehenden) Realität. Doch wie sollen Eltern das gestalten? Sollen Eltern Lehrer spielen? Braucht es täglichen Unterricht? Wie können die Aufgaben in den Familienalltag integriert werden? Und was ist eigentlich Freilernen?
Unterschied zwischen Homeschooling und Unschooling

Beim Homeschooling, dem Heimunterricht, beschulen Eltern ihr Kind zu Hause. Entweder die Eltern schlüpfen dabei in die Rolle der Lehrer/-innen oder es werden Privatlehrer/-innen engagiert. Das Unterrichtsmaterial ist dem der Schule gleich, es gibt meist klare Zeiten, zu denen der Unterricht stattfindet und es wird sich nach den Themen aus dem Lehrplan gerichtet. Das heißt, es wird zu bestimmten Zeiten, bestimmtes Wissen vermittelt. Wird Homeschooling offiziell umgesetzt, sind die Familien gemeldet und meist muss von dem Kind mindestens einmal im Jahr eine Prüfung abgelegt werden. Die Bedingungen zum Bestehen dieser sind wohl im Grundschulalter lockerer und nehmen mit zunehmenden Alter des Kindes zu. Die genauen Regelungen zum Homeschooling sind von Land zu Land verschieden.

Unschooling wird auch Freilernen genannt und die Eltern sehen sich nicht als Lehrerersatz, sondern eher als Lern- bzw. Lebensbegleiter, das heißt die Eltern begleiten das Kind in seinen individuellen Lernprozessen. Es sind keine Lernziele oder –inhalte vorgegeben, es gibt keine Ausrichtung nach dem Bildungsplan und es findet kein Unterricht statt. Es geht darum, dass das Kind seinen persönlichen, verinnerlichten „Bauplan“ verfolgen kann und dabei unterstützt wird. Dazu braucht es einen guten Kontakt zwischen Eltern und Kind, die Bereitstellung von abwechslungsreichen Möglichkeiten und, sehr essentiell, Vertrauen und Geduld. Teilweise ist Freilernen für die Eltern ziemlich zeitintensiv, denn es muss beispielsweise passendes Arbeitsmaterial, ein Kurs, Workshop, Ausflug oder dergleichen organisiert oder auch Menschen, die sich intensiver mit bestimmten Themen auskennen und dieses Wissen weitergeben möchten, gefunden werden.

Diese Beschreibungen sind bewusst von mir eher dogmatisch verfasst, zum besseren Verständnis. Es sollte dir klar sein, dass in jeder Familie, die homeschoolt bzw. unschoolt, die Umsetzung davon individuell aussieht. Durch unser Reisen kommen wir in Kontakt mit verschiedenen Familien und, wenn es um Home- bzw. Unschooling geht, erleben wir häufig eine sehr abgeschwächte Form des Homeschooling bzw. einen Mix mit Freilernen. So kann es beispielweise sein, dass Eltern, die sich als Homeschooler bezeichnen, nur ein- oder zweimal in der Woche ihr Kind unterrichten, dies überwiegend den jeweiligen Interessen angepasst ist und sonst einfach freie Möglichkeiten bieten. Und es gibt Freilerner-Familien, die typische Unterrichtsmaterialien und -bücher nutzen und den Kindern aktiv Verschiedenes anbieten. Selbstverständlich gibt es auch sogenannte „schwarze Schafe“ unter Home- oder Unschoolern. Die, die kaum Verbindung zu ihrem Kind haben, sich nicht wirklich darum kümmern oder, entgegengesetzt, ihre Ideologien weitergeben. Doch das ist eher die Ausnahme als die Regel.

Klar ist, dass weder Homeschooling noch Unschooling in Deutschland bislang legal umsetzbar sind, außer zur derzeitigen Ausnahmesituation. Und genau das fordert heraus!

7 Tipps zum Homeschooling und Unschooling

Merkst du als Mama oder Papa, dass dein Kind sich aktuell für ein Thema begeistert, dann setze doch dazu Dinge um. Mit Lupe und Mikroskop Untersuchungen anstellen, Vulkan-, Schleim-, Wasser- oder Luft-Experimente machen, mit Holz, Ton oder Salzteig werkeln, kreative Projekte starten usw. Vielleicht kannst du die Aufgaben der Lehrer/-in dort mit involvieren oder so „nebenbei“ in den Alltag integrieren, mit vielen Pausen dazwischen. Zum Lernen braucht es Begeisterung, keinen Dogmatismus und Zwang.

  • Wenn du merkst, dass dein Kind totaaaal gelangweilt vorm Aufgabenblatt sitzt, dieses Thema es einfach anödet (vielleicht kann es das schon auswendig, es ist noch nicht so weit oder es fehlt einfach an interessanter Stoffvermittlung), du enorm Druck machen musst, damit die Aufgaben gemacht werden und/oder du schlichtweg das Gefühl hast, dass ihr euch deswegen voneinander entfernt, dann setze die Priorität anders: Auf die Beziehung!
  • Mache dir bewusst, dass du Mama/Papa bist und nicht die/der Vertreter/-in der Schule! Überlege dir, hinter welchen Interessen du stehst. Was ist dir wichtig? Bist du dir darüber im Klaren, kannst du Entscheidungen leichter treffen und die Verantwortung dafür übernehmen.
  • Vielleicht helfen auch Gespräche mit den Lehrer/-innen. Ich weiß von Eltern, die diesen Schritt gegangen sind und nun wesentlich weniger unter Druck und Stress stehen als zuvor. Deshalb finde ich persönlich diese Option auch sinnvoll. 
  • Du kannst auch gern einmal in den länderspezifischen Bildungsplan schauen und vielleicht bemerkst du, dass dein Kind die dort verankerten Ziele bereits (zumindest teilweise) erreicht hat. Weiter wäre es vielleicht auch sinnvoll, dass du dich an diese Ziele orientierst, statt starr die Arbeitsaufgaben abzuarbeiten. Vielleicht fällt euch das so leichter.
  • Du kannst auch einfach einmal den Blickwinkel verändern und das Thema Bildung anders angehen: Beobachte und dokumentiere doch mal einige Tage, was dein Kind von sich heraus, frei, ohne Drängen deinerseits alles lernt. Denke daran: Lernen findet immer statt und es braucht kein Schulgebäude oder Arbeitsblätter dazu. Zum Verändern des eigenen Blickwinkels und dem Erstellen eines Lernberichts kann es hilfreich sein, bestimmte Materialien zu nutzen. Dazu gibt es den Entwicklungsbaum und den Baum der Erkenntnis. Dieses Beobachten und Erkennen kann übrigens auch weiter mit einer (weitreichenden, positiven) Haltungsänderung einhergehen.
  • Du kannst auch schriftlich dein Kind komplett von den Aufgaben befreien. Rechtliches dazu habe ich im Artikel „Müssen Hausaufgaben gemacht werden“ geschrieben und Ronja von Räuberkinder hat eine Vorlage verfasst. Vielleicht magst du diese für dich verwenden und entsprechend abwandeln? Zu finden ist sie hier: Link folgen
  • Und, was ich auf alle Fälle noch unbedingt teilen wollte, ist das Merkblatt vom Grundschulverband: Jetzt downloaden. Das finde ich richtig lesenswert! 

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Deine innere Ruhe

Weiter finde ich es besonders aktuell wichtig, das Augenmerk auf dich zu legen. Kinder sind für Gedanken und Gefühle der Eltern sehr empfänglich. Sind die Eltern aufgewühlt und unsicher, entgeht das auch dem Kind nicht. Meistens suchen sie aktiv Beziehung, Sicherheit und Zuwendung.

Besonders in diesen Zeiten des Durcheinanders, ist es wichtig, die innere Ruhe zu bewahren. Komm in deine Mitte, überlege, worauf du Wert legen willst und entscheide dann, ob und wie viel Zeit täglich für die schulischen Aufgaben aufgewendet werden soll. Sieh das Leben nicht so ernst an, nimm Druck raus, mach was Schönes mit deinem Kind, kümmere dich gut um dich selbst. Frage dich, worauf willst du Priorität legen? Schulaufgaben? Gute Noten? Bei mir ist die Antwort im Zweifelsfall immer: die Beziehung zum Kind!

Weiterführende Links

Meinen letzten Artikel „Was, wenn die Eltern-Kind-Beziehung unter den Schulaufgaben leidet?“ findest du hier: Jetzt Artikel lesen.

Und im Folgebeitrag habe ich abschließend noch die rechtliche Seite zur aktuellen Situation beleuchtet: Müssen Hausaufgaben wirklich gemacht werden?

Möchtest du dich anderen Eltern anschließen, die sich aktuell für die Legalisierung von Homeschooling in Deutschland einsetzen, dann gibt es derzeit unter den Hashtags #homeschooling4Germany und #rechtauffreiheitundunversehrtheit verschiedene Aktionen.

Im Folgenden liste ich noch ein paar Ansprechpartner fürs Unschooling/Freilernen:

Inzwischen sind auch einige Bücher sowie Filme erhältlich, die sich tiefer mit der Thematik befassen und die Zeitung die freilerner.

Besuche bei verschiedenen schulfrei-Treffen lohnen sich auf jeden Fall auch, allein das Beisammensein ist toll. Da wären zum einen die kleineren Treffen, worüber der BVNL informiert und das große Schulfrei-Festival in Damelack ist inzwischen weit bekannt. Dort erhält man innerhalb kürzester Zeit sehr viele, aktuelle und weiterbringende Informationen und ich persönlich fand den Vortrag von einem Anwalt, welcher deutschlandweit Freilerner-Familien vertritt, sehr interessant und blickwinkelerweiternd. Ein anderes großes Treffen findet jährlich in Rumänien statt. Mehr über die Treffen erfahren.

 

Soviel von mir zu diesem Thema. Wie findest du die Tipps und Links? Hast du noch Empfehlungen, die ich mit aufnehmen kann? Lass mir gern einen Kommentar da!

Alles Liebe

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